In der Sindlinger Hugo-Kallenbach-Anlage ist am Freitag, 17. April, ein besonderer Ort offiziell eröffnet worden: ein Spielplatz, der nicht nur für Kinder gebaut, sondern von ihnen mitgestaltet wurde. Nach mehr als fünf Jahren Planung, Beteiligung und Umsetzung ist ein lebendiger Platz entstanden, der Kinderrechte sichtbar und erlebbar macht.
Grundlage des Projekts ist die UN-Kinderrechtskonvention. Artikel 12 sichert Kindern das Recht zu, gehört und an Entscheidungen beteiligt zu werden. Artikel 23 betont die gleichberechtigte Teilhabe von Kindern mit Behinderung. Und Artikel 31 verankert das Recht auf Spiel und Freizeit. Genau diese Rechte standen bei der Planung im Mittelpunkt.
Der Spielplatz ist Teil des Projekts „SPATZ", einer Kooperation zwischen dem Frankfurter Kinderbüro und dem Grünflächenamt. „Unser Ziel ist es, dass Kinder als Expertinnen und Experten ihrer Lebenswelt ernst genommen werden und aktiv in die Gestaltung ihres Stadtteils einbezogen werden. So erfahren sie, dass ihre Ideen zählen, ihre Stimme Gewicht hat und sie selbst etwas bewirken können", sagte Sylvia Weber, Dezernentin für Bildung, Immobilien und Neues Bauen.
Bereits 2020 begann der Beteiligungsprozess. Zuvor war der Spielplatz zuletzt vor rund 20 Jahren grundlegend überarbeitet worden; viele Spielgeräte waren inzwischen abgebaut. Statt eine Planung „am Reißbrett" vorzunehmen, wurden Kinder der Ludwig-Weber-Schule, der Kita St. Kilian sowie weitere Kinder aus dem Stadtteil umfassend beteiligt. In Workshops entstanden Lego-Modelle, Zeichnungen und Ideensammlungen. Themen wie Klettern, Balancieren, Schaukeln, Rückzugsorte und ein eigener Bereich für jüngere Kinder kristallisierten sich heraus. In einer zweiten Phase entwickelten die Kinder konkrete Vorschläge zur Anordnung der Spielbereiche und erfanden fantasievoll neue Spielgeräte.
Ein Höhepunkt waren die Bauaktionstage. Hier konnten Kinder selbst aktiv werden und den Spielplatz ganz praktisch mitgestalten. Beim gemeinsamen Gestalten, Werkeln und Schaufeln wurde Beteiligung unmittelbar erfahrbar. „Der neue Spielplatz steht beispielhaft für eine kinderrechtebasierte Stadtentwicklung. Er zeigt, dass Beteiligung Zeit, Verlässlichkeit und transparente Prozesse braucht – und dass es sich wirklich lohnt! Kinder erleben hier ganz konkret: Ihre Meinung zählt. Ihre Ideen werden ernst genommen. Und ihre Rechte werden im Alltag umgesetzt", betonte Weber.
Tina Zapf-Rodríguez, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen, hob die Bedeutung von inklusiven Spielräumen hervor: „Kinder brauchen Orte, an denen sie spielen, entdecken und gemeinsam aufwachsen können. Egal wie alt sie sind oder welche Fähigkeiten sie haben. Naturnahe und inklusive Spielplätze ermöglichen genau diese Erfahrungen. Aber auch für die Stadtteile sind solche Orte wichtig. Sie bringen Kinder und Nachbarschaft zusammen. Hier hier wird gegenseitige Achtsamkeit geübt, hier entstehen Freundschaften", sagte sie.
Bei der Gestaltung neuer städtischer Spielplätze orientiert sich das Grünflächenamt an einer Inklusionsmatrix, die Bestandteil der sogenannten Norm DIN/TS 18034-2 „Spielplätze und Freiräume zum Spielen - Teil 2: Matrix mit Bewertungsschema für inklusive Spielräume" ist. Ein guter Spielraum müsse für alle Kinder zugänglich, nutzbar und sicher sein, erklärt die Stadträtin, mit barrierefreien Wegen, vielfältigen Spielangeboten und hoher Aufenthaltsqualität auch für Begleitpersonen. Ziel sei es, soziale Teilhabe zu ermöglichen, damit Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten selbstverständlich gemeinsam spielen können.
Das Ergebnis in Sindlingen ist ein vielseitiger, inklusiver Spielplatz mit Angeboten für Kinder unterschiedlichen Alters: Während Bereiche für Kleinkinder zum Spielen einladen, bieten Kletter- und Bewegungsstationen auch älteren Kindern Herausforderungen. Die große Kletterkombination, Nestschaukel und Mehrpersonenwippen fördern das gemeinsame Spiel, während Hügel, Balancierpfade und Holztipis die Fantasie anregen. Ein Atrium aus Sandsteinquadern schafft zudem einen neuen Treffpunkt. Barrierefreie Wege und niedrigschwellige Angebote sorgen dafür, dass alle Kinder gemeinsam spielen können.
Auch die Gestaltung der Grünflächen ist Teil des Konzepts: Neue Sträucher wie Felsenbirne, Purpur-Weide, Spierstrauch und Weigelie schaffen künftig zusätzliches Grün, während der große Baumbestand aus Platanen, Bergahornen, Roteichen und Hängebirken erhalten bleibt. „Gerade in immer heißer werdenden Sommern brauchen wir grüne und schattige Orte wie diesen, besonders für Familien ohne eigenen Garten. Mit diesem Spielplatz schaffen wir bewusst Raum für Bewegung und Begegnung mitten im Kiez", betonte Zapf-Rodríguez.
Eröffnung des Speilplatzes in der Hugo-Kallenbach-Straße (Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Holger Menzel)